Der Einkauf steht heute mehr denn je im Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen. Lieferketten geraten unter Druck, Rohstoffe werden knapper, digitale Lösungen verändern Prozesse – und trotzdem wird die strategische Bedeutung des Procurements oft unterschätzt.
Genau hier setzt unser neuer Podcast „ProcurementHeroes“ an.
Im ProcurementHeroes Podcast spricht Hivebuy-Gründerin Bettina Fischer einmal im Monat mit Persönlichkeiten aus dem Einkauf, die eines gemeinsam haben:
Sie haben Einkaufsprozesse und -organisationen aufgebaut oder befinden sich mitten in der Transformation. Sie bringen Erfahrung, Praxisnähe und einen klaren Blick auf aktuelle Entwicklungen mit – und teilen dieses Wissen offen.
Zum Auftakt der Serie ist Franziska Prüger, Einkaufsleiterin der AS Création Tapeten AG, zu Gast.
🎧 Hier geht’s zur vollständigen Podcast-Folge mit Franziska Prüger:
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In der ersten Episode der ProcurementHeroes Serie ist Franziska Prüger - Einkaufsleitung von A.S Création zu Gast. Sie blickt auf einen vielseitigen Werdegang im Einkauf zurück und teilt offen ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Learnings.
Franziska Prügers Einstieg in den Einkauf verlief alles andere als klassisch. Ursprünglich startete sie im Verkauf, arbeitete während ihres Studiums im Einzelhandel und wollte zunächst in den Vertrieb.
Der Wechsel in den Einkauf ergab sich eher zufällig – durch ein Trainee-Projekt in der Hauptverwaltung von Galeria Kaufhof. Dort entstanden erste Kontakte zur Einkaufsleitung, aus denen schließlich eine Stelle im Einkauf hervorging.
Was folgte, war ein kontinuierlicher Aufbau von Verantwortung:
von strategischen Stabsstellen über den Aufbau des Online-Shops bis hin zur Übernahme eigener Kategorien – unter anderem im Importgeschäft mit internationalen Lieferanten.
„Manchmal muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – und dann den Mut haben, den nächsten Schritt einzufordern.“
Ein wiederkehrendes Motiv im Gespräch ist das Thema Eigenverantwortung. Franziska betont, wie wichtig es ist, nicht nur auf Förderung zu warten, sondern aktiv den nächsten Karriereschritt einzufordern – vorausgesetzt, die Leistung stimmt.
Ein entscheidender Wendepunkt war für sie der Wechsel vom Konzern in den Mittelstand und damit auch vom Einzelhandel in die Industrie. Der Schritt bedeutete: weniger etablierte Routinen, mehr Gestaltungsspielraum – aber auch mehr Verantwortung.
„Ich hatte Lust, Prozesse zu verändern und wirklich zu bewegen.“
Rückblickend beschreibt Franziska diesen Wechsel als einen der wichtigsten Schritte ihrer Karriere – auch wenn er mit Risiken verbunden war.
Auf die Frage nach bewussten Einkaufsentscheidungen wird deutlich, wie stark sich Franziskas Perspektive mit dem Wechsel in die Industrie verändert hat.
Spätestens seit der Rohstoffkrise 2022 stehen nicht mehr einzelne Produkte oder Marken im Fokus, sondern Versorgungssicherheit, Lieferantenstabilität und Risikominimierung.
Eine Zwei- oder Drei-Lieferanten-Strategie, starke Partnerschaften und langfristiges Denken sind heute zentrale Faktoren ihrer Einkaufsentscheidungen.
„Das ist eine ganz andere Dimension als früher im Einzelhandel.“
Ein zentraler Schwerpunkt der Folge liegt auf Digitalisierung und Change-Management – und hier wird Franziska sehr konkret.
Zwar wird in der Branche aktuell viel über KI gesprochen, doch gerade im Mittelstand stehen viele Unternehmen noch vor grundlegenderen Aufgaben: Prozesse definieren, manuelle Tätigkeiten reduzieren und Digitalisierung sinnvoll umsetzen.
Ihre zentrale Erkenntnis:
„Das Tool alleine ist gar nicht das Problem. Der Change-Management-Prozess dahinter ist das eigentliche Thema.“
Anhand der Einführung eines digitalen Bestellsystems beschreibt Franziska anschaulich, warum schlechte Prozesse nicht einfach digitalisiert werden dürfen – und wie viel Zeit, Kommunikation und Schulung es braucht, um Mitarbeitende mitzunehmen.
Ein Learning aus der Tool-Einführung bei A.S. Création:
Der zeitliche und personelle Aufwand wird häufig unterschätzt. Gerade Mitarbeitende mit wenig digitaler Erfahrung benötigen mehr Begleitung, Schulungen und Feedbackschleifen.
Lieber ein langsamerer Rollout mit hoher Akzeptanz als ein schneller Start mit geringer Nutzung – diese Haltung zieht sich klar durch das Gespräch.
Für die nächsten Jahre sieht Franziska vor allem ein Thema im Fokus: Datenanalyse im Einkauf.
Ohne belastbare Daten wird es zunehmend schwierig, Preise, Risiken und Lieferketten professionell zu steuern.
Gerade in mittelständischen Unternehmen mit älteren ERP-Systemen ist das eine zentrale Herausforderung – und gleichzeitig eine große Chance, den Einkauf strategisch weiterzuentwickeln.
Zum Abschluss der Folge geht es um die Kernfrage der Serie:
Was zeichnet einen echten Procurement Hero aus?
Für Franziska ist die Antwort klar:
„Ein Procurement Hero schaut nicht nur auf den Preis, sondern auf den Wert und das Risiko hinter dem Produkt.“
Die erste Folge von ProcurementHeroes zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig, anspruchsvoll und wirkungsvoll moderner Einkauf ist. Franziska Prüger steht exemplarisch für eine Generation von Einkäufer:innen, die Verantwortung übernehmen, Veränderungen gestalten und den Einkauf strategisch weiterentwickeln.