Aaron Hundsdörfer ist Purchasing and Logistics Specialist bei Oxyle – einem Schweizer CleanTech-Startup, das sich auf die Eliminierung von PFAS-Ewigkeitschemikalien aus Abwasser und Grundwasser spezialisiert hat. Mit seiner Technologie zerstört Oxyle diese persistenten Schadstoffe vollständig – eine Mission mit globaler Relevanz.
Aarons Weg in den Einkauf verlief alles andere als geradlinig. Ein BWL-Studium mit Schwerpunkten in Logistik und Supply Chain Management, erste Praxiserfahrung bei einem Tech-Startup mit Scanner-Produkten – und dann landete der Einkauf, wie er selbst sagt, „durch die Hintertür" auf seinem Schreibtisch. Und er mochte es.
Als die Stelle bei Oxyle ausgeschrieben wurde, die Logistik und Einkauf vereint, war für ihn klar: Das ist die Herausforderung, die er sucht.
Was macht den Einkauf bei einem wachsenden Deep-Tech-Unternehmen so besonders? Die extreme Bandbreite. Bei Oxyle reicht das Spektrum von Elektrobauteilen im Centbereich für das Engineering-Team bis hin zu kapitalintensiven, individualisierten Wasseraufbereitungsanlagen.
Dazu kommen hochqualifizierte Kolleginnen und Kollegen aus Forschung, Labor und Engineering, die alle sehr spezifische Anforderungen an ihre Materialien mitbringen – Anforderungen, die Aarons fachliche Kompetenz in vielen Fällen übersteigen.
„Die Herausforderung ist es, die Kompetenzen und das Know-how der Kollegen so zu nutzen, dass wir im Einkauf davon profitieren können."
Das ist ein wichtiger Mindset-Shift: Der Einkäufer als Enabler, nicht als Kontrollinstanz. Aaron hört zu, fragt nach, baut auf das Fachwissen der anderen auf – und sorgt dafür, dass Prozesse funktionieren.
Vor der Einführung von strukturierten Einkaufsprozessen lief vieles über die Fachbereiche selbst. Das ist in frühen Startup-Phasen normal – und sinnvoll. Doch mit wachsendem Team und steigendem Bestellvolumen entsteht schnell das Risiko von Doppelbestellungen, fehlenden Budgetdaten und unkontrollierten Ausgaben.
Aarons Lösung: Ein hybrides Modell.
Das Tool, das diesen Prozess trägt: Hivebuy. Seit Mitte 2024 nutzt Oxyle die Plattform, um Bestellanfragen zu zentralisieren, Ausgaben zu tracken und die Grundlage für spätere Datenanalysen zu schaffen.
„Wir wollen die Daten, die wir im Einkauf produzieren, auch für uns bestmöglich nutzen können."
Lieferantenbewertung, Analyse von Lieferzeiten, Identifikation von Einsparpotenzialen – das sind die nächsten Schritte, die Aaron für Oxyle plant.
Tipp für den Aufbau eines Einkaufs von Null: Erst beobachten, dann gestalten. Aaron empfiehlt, zunächst zu verstehen, wie Prozesse aktuell laufen, bevor man Änderungen einführt – und dabei gezielt die Beteiligten zu befragen: Was stört? Was soll bleiben? Erst dann folgt die Tool-Auswahl.
Als einer der wenigen deutschen Einkäufer, die über den Schweizer Markt aus der Praxis berichten können, hat Aaron interessante Beobachtungen gemacht.
Stärken des Schweizer Markts:
Herausforderungen:
„Eine sehr gute Anpassungsfähigkeit der Lieferanten besteht – einfach weil der Schweizer Markt vom Volumen her kleiner ist."
Die Lesson für alle: Starke Lieferantenbeziehungen zahlen sich aus – und können strukturelle Nachteile wie längere Lieferwege ausgleichen.
Bei einem Unternehmen, das PFAS aus dem Wasser holt, ist Nachhaltigkeit kein Marketing-Thema. Sie ist Teil der DNA.
Im Einkauf bedeutet das bei Oxyle konkret:
„Ich glaube, dieser Fokus auf die Umwelt kommt von ganz alleine, wenn man das Unternehmen gesund entwickelt und gesund führt."
Aaron sieht Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Handeln nicht als Gegensatz, sondern als zwei Seiten derselben Medaille. Wer Ressourcen schont, spart auch Kosten – und reduziert Risiken.
Wie verändert sich Einkauf, wenn ein Unternehmen wächst? Aarons Antwort: Stück für Stück – und immer im Gleichschritt mit der Unternehmensentwicklung.
Konkret denkt er über folgende Entwicklungen nach:
Aarons Antwort auf unsere Signature-Frage war eindeutig:
„Vertrauen. Im Einkauf muss man Vertrauen haben in alle Menschen, die da beteiligt sind – Kollegen und Lieferanten gleichermaßen."
Er ist überzeugt: Wer Vertrauen schafft, reduziert Reibung, verhindert Fehler und öffnet Türen – zu besseren Konditionen, schnelleren Lieferzeiten und ehrlicherer Kommunikation.
Und Vertrauen funktioniert nur in beide Richtungen: als Einkäufer vertrauenswürdig sein und den Lieferanten gegenüber als verlässlicher Partner auftreten.
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